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Oscar Küng

Deine Vision, meine Realität

Das lokale Gesundheitswesen auf dem Prüfstand

Aktualisiert: 28. Mai


Der Planungsbericht über die Gesundheitsversorgung im Kanton Luzern 2024 liegt zur Vernehmlassung auf. Grund genug, sich mit dem Thema Gesundheitsversorgung auf der lokalen Ebene vertiefter auseinanderzusetzen und das Thema aus Sicht der Gemeinde etwas detaillierter zu beleuchten.

Gesundheitsbegriff

Vorab gilt es den ganzheitlichen Gesundheitsbegriff zu definieren, was verstehen wir darunter. Die Behörden orientieren sich in der Definition an der Weltgesundheitsorganisation. Diese legt den Gesundheitsbegriff wie folgt fest:

"Gesundheit ist der Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens des Menschen."

Wer ist verantwortlich für die Gesundheit

Die Gesundheit zu fördern, zu erhalten oder wiederherzustellen ist eine Aufgabe, die auf dem Engagement vieler Akteurinnen und Akteure basiert: Von der individuellen Eigenverantwortung der Einwohnenden, über die Fürsorgepflicht der Arbeitgebenden, der Verantwortung der ambulanten und stationären Leistungserbringenden bis zur Verbundaufgabe von Bund, Kantonen und Gemeinden zur Sicherstellung der Gesundheitsversorgung.

Planungsbericht über die Gesundheitsversorgung im Kanton Luzern 2024

Die Vision für die Gesundheitsversorgung im Kanton Luzern, wie sie im Planungsbericht für das Jahr 2024 formuliert ist, zielt darauf ab, bis 2035 eine zukunftsfähige, patientenzentrierte Versorgung zu gewährleisten, die den Bedürfnissen der Bevölkerung gerecht wird. Hier sind die Hauptelemente dieser Vision:

  1. Integrierte Versorgung: Die Gesundheitsdienste sollen konsequent auf den Nutzen für die Patienten ausgerichtet sein, wobei der gesamte Behandlungspfad berücksichtigt wird. Patienten sollen als Partner in die Prozesse integriert werden, was eine stärkere Beteiligung und Mitentscheidung im Behandlungsprozess ermöglicht.

  2. Regionale Gesundheitsnetzwerke: Die Basis der integrierten Versorgung bilden regionale, interdisziplinäre Gesundheitsnetzwerke und Gesundheitszentren, die eine umfassende Versorgung sicherstellen und die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Gesundheitsdienstleistern fördern.

  3. Verbundene Spitäler: Die Spitäler sollen sowohl innerkantonal als auch interkantonal stärker vernetzt sein. Diese Vernetzung soll dazu beitragen, dass die Spitäler und regionalen Gesundheitszentren effizient zusammenarbeiten und den Patienten als gut koordinierte Einheit gegenübertreten.

  4. Digitalisierung: Die Versorgungsprozesse sollen durch digitale Technologien unterstützt werden. Dies umfasst den standardisierten, sicheren und benutzerfreundlichen Austausch von elektronischen Daten zwischen den beteiligten Akteuren.

  5. Qualitätsfördernde Vergütungsmechanismen: Es sollen Vergütungsmechanismen eingeführt werden, die die Qualität über den gesamten Behandlungspfad hinweg fördern. Diese Mechanismen sollen dazu beitragen, die Effizienz zu steigern und die Kosten zu kontrollieren.


Die Vision für das Gesundheitswesen im Kanton Luzern sieht also vor, eine hochwertige, bedarfsgerechte und effiziente Gesundheitsversorgung zu gewährleisten, die sowohl finanziell tragbar ist als auch den aktuellen und zukünftigen Herausforderungen gewachsen ist. Dabei wird ein besonderer Schwerpunkt auf die Integration der Dienste, die Digitalisierung und die Patientenorientierung gelegt.

Abb. Vision Gesundheitswesen 2035 ff / Quelle: Planungsbericht Gesundheitsversorgung 2024 Kanton Luzern

Auswirkung auf die lokale Gesundheitsversorgung

Der Planungsbericht über die Gesundheitsversorgung im Kanton Luzern 2024 beinhaltet viele positive Elemente für eine ganzheitliche integrierte Gesundheitsversorgung sowie eine integrierte Vorsorge. Auffällig ist jedoch, dass die Gesundheitsversorgung weiter zentralisiert und in regionalen Zentren zusammengefasst werden soll. Aus Sicht der Gemeinde besteht somit das Risiko, dass sie ihre Hausarztpraxen verlieren oder eine Schwächung der lokalen Versorgung erfahren, besonders dann, wenn regionale Gesundheitszentren gestärkt werden. Diese Sorge wird in vielen Regionen geteilt, insbesondere dort, wo die demografischen und wirtschaftlichen Bedingungen es schwierig machen, medizinisches Personal zu halten oder anzuziehen.

Um diese potenziellen Nachteile zu vermeiden, ist es wichtig, dass die Planung und Umsetzung der Gesundheitsversorgung transparent und unter Einbeziehung der betroffenen Gesundheitsdienstleister erfolgt. Dadurch können Massnahmen ergriffen werden, die sowohl die Vorteile regionaler Gesundheitszentren nutzen als auch die lokale Versorgung durch Hausarztpraxen stärken.

Die Rolle der Gemeinde

Die Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung stellt die Gemeinden vor grosse planerische und strategische Herausforderungen. Die Gemeinden sind gefordert, den Versorgungsauftrag umzusetzen und bestehende ambulante und stationäre Versorgungsstrukturen neu auszurichten. Die Hintergründe dazu liegen in der generellen Nachfrage der Gesundheitsversorgung, primär aber auch in der demografischen Entwicklung. Gefragt sind interdisziplinäre Gesundheitsnetzwerke auf lokaler Ebene mit Verbindungen zu den regionalen Zentren wie auch Pflege- und Wohnkonzepte, die einen fliessenden Übergang zwischen ambulant und stationär mit einer angemessene und bedarfsgerechten Betreuung und Unterstützung ermöglichen.

Die Rolle der politischen Gemeinde in der Gesundheitsversorgung, insbesondere im Kontext eines umfassenden Planungsberichts wie dem für den Kanton Luzern, umfasst somit mehrere Schlüsselbereiche:

  1. Gesundheitspolitische Gestaltung: Gemeinden haben die Aufgabe, die lokale Gesundheitspolitik zu gestalten und umzusetzen, die auf die spezifischen Bedürfnisse ihrer Bevölkerung zugeschnitten ist. Sie wirken dabei als Bindeglied zwischen kantonalen Gesundheitsstrategien und der praktischen Umsetzung auf lokaler Ebene.

  2. Förderung und Unterstützung lokaler Gesundheitsdienste: Gemeinden können lokale Gesundheitszentren und Praxen durch direkte Unterstützung wie z.B. durch die Bereitstellung von Räumlichkeiten oder andere Ressourcen fördern. Sie spielen auch eine Rolle bei der Koordination von Gesundheitsdiensten, um Überschneidungen zu vermeiden und Lücken in der Versorgung zu schliessen.

  3. Kommunikation und Information: Eine wichtige Aufgabe der Gemeinde ist es, ihre Bürger über verfügbare Gesundheitsdienste zu informieren und aufzuklären. Dies kann durch Informationskampagnen, Veranstaltungen und die Bereitstellung von Ressourcen für Gesundheitsbildung geschehen.

  4. Partnerschaften und Netzwerkbildung: Gemeinden können Plattformen für die Vernetzung verschiedener Akteure im Gesundheitswesen bieten, einschliesslich Ärzten, Spitälern, Pflegediensten und anderen relevanten Organisationen. Solche Netzwerke fördern eine integrierte Versorgung und ermöglichen eine effiziente Nutzung der Ressourcen.

  5. Monitoring und Feedback: Die Gemeinden sollten sich für das Monitoring der Gesundheitsversorgung und das Sammeln und Zusammenführen von Rückmeldungen der Bürgerinnen, Bürgern und Gesundheitsdienstleistern einsetzen. Diese Informationen sind entscheidend für die kontinuierliche Anpassung und Verbesserung der lokalen Gesundheitsdienste.

  6. Öffentliche Gesundheit und Prävention: Gemeinden spielen eine zentrale Rolle bei der Förderung von öffentlicher Gesundheit und präventiven Massnahmen. Dazu gehören Kampagnen zu gesundem Lebensstil, Massnahmen zur Krankheitsprävention, Verbesserung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung, Früherkennung und Screening-Programme usw.

  7. Anpassung an demografische und soziale Veränderungen: Gemeinden müssen auf demografische und soziale Veränderungen reagieren, wie die Alterung der Bevölkerung oder auch die Migration, und entsprechende Anpassungen in der Gesundheitsversorgung vornehmen.

Insgesamt spielt die politische Gemeinde eine fundamentale Rolle bei der Gewährleistung, dass die Gesundheitsversorgung effektiv, zugänglich und an die lokalen Bedingungen angepasst ist. Sie ist ein wesentlicher Akteur bei der Umsetzung übergeordneter Gesundheitsstrategien auf der lokalen Ebene und bei der Sicherstellung, dass die Bedürfnisse ihrer Bürger im Gesundheitswesen erfüllt werden. Umso mehr ist es störend, dass die einzelnen Gemeinden nicht zur Vernehmlassung zum Planungsbericht über die Gesundheitsversorgung im Kanton Luzern 2024 eingeladen wurden. Ob der VLG die Bedürfnisse aller Gemeindetypen als Stellvertretung abdeckt und damit ein abgestimmtes Feedback zum Planungsbericht geben wird, muss in Frage gestellt werden.

Der Weg vom Silodenken zu interdisziplinären Netzwerken

Um die Verantwortung auf lokaler Ebene wahrzunehmen, ist es vorab wichtig loszulassen. Das bis anhin praktizierte Silodenken müssen wir hinter uns lassen. Wir tun gut daran interdisziplinäre Netzwerke aufzubauen und hier in der Luzerner Landschaft im einen oder anderen Punkt eine Vorreiterrolle einzunehmen. Dazu braucht es die viel zitierte Gesundheitsstrategie die genau diese Punkte aufnimmt und auf dem Planungsbericht zur Gesundheitsversorgung aufsetzt. Die lokale Politik ist gefordert die Weichen zu stellen, so dass auch künftig eine breite Gesundheitsversorgung in Buttisholz zur Verfügung steht.



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